Ich fürchte nichts so sehr wie die Frage: „Könntest du vielleicht ganz kurz erklären, was mit Differenzierung überhaupt gemeint ist?“
Die ehrliche Antwort müsste lauten: „Nein. Es ist so komplex, dass selbst eine ausführliche Erklärung nicht reicht. Sondern es dann noch ganz viele Wiederholungen mit anderen Formulierungen, anderen Beispielen, anderen Illustrationen braucht.“
Deshalb freue ich mich jedesmal, wenn die Teilnehmenden der Aufbauseminare in den Rückmeldungen sagen: „Jetzt habe ich wieder mehr verstanden!“ Oder: „Bei mir ist heute ein neues Puzzlestück an die richtige Stelle gerutscht.“ Oder: „Mit jedem Seminar verstehe ich besser, worum es geht.“
Denn das ist meine Beobachtung an mir selbst, meinen Kolleg:innen und den Teilnehmenden.
- die erste Beschreibung leuchtet ein, aber beim Versuch, dem Lieblingsmenschen zu erklären, was ich im Seminar gelernt habe und worum es geht, scheitere ich.
- Im weiteren Verlauf tauchen die ganzen wichtigen Begriffe auf, und wir haben eine Idee, worum es dabei geht: Fusion, Koregulation, die vier Punkte der Balance, das Two Choice Dilemma …
- In den Aufbauseminaren werden all diese Dinge dann auf für Paare wichtige Themen und Schwierigkeiten angewendet: Die Arbeit mit dem Two Choice Dilemma bei unlösbar scheinenden Bedürfniskonflikten. Oder die Vertiefung der differenzierungsfördernden Fragen mittels Mindmapping. Oder die intensive Arbeit an den vier Punkten der Balance bzw. ihrer Auffächerung in kleine, bewätigbare Veränderungsschritte im Hier-und-Jetzt beim Thema Intimität. Dadurch vertieft sich das Verständnis.
- Und wenn die Teilnehmenden mit Paaren arbeiten, ersteht mit Unterstützung der Supervision ein noch klareres Bild davon, was differenzierungsbasiertes Arbeiten ist – aber auch darüber, wie wichtig Zustand, Haltung und Differenzierung von TH für diesen Ansatz ist.
Aufgrund all dieser Beobachtung rate ich inzwischen allen, die diesen Ansatz lernen: ENTSPANNT EUCH. Was ihr jetzt noch nicht versteht, wird später wiederholt. Und es wird bei Euch andocken in dem Moment, in dem es passt. Bleibt neugierig, aber macht Euch keinen Druck. Es wird klarer werden.
Von unserer Seite tragen wir dazu bei, indem wir die vielen Wiederholungen in den Seminaren möglichst abwechslungsreich gestalten.
- Bilder und Filme und Körperübungen sprechen ganz unterschiedliche Sinne an an und vermitteln das Gelehrte auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
- Ein spielerischer Zugang normalisiert, dass Lernen immer bedeutet, etwas noch nicht zu können. Immer wieder bieten wir das Bild des Computerspiels an: wir können immer weitere Level unserer paartherapeutischen Kompetenz freischalten, nachdem wir die Herausforderungen des aktuellen Levels gemeistert haben.
- Wir ermutigen sehr zum Ausprobieren von neuen Dingen. Erfahrungen sammeln bedeutet, Fehler machen und daraus lernen – was unglaublich wertvoll ist. Die IDA-Dozent:innen nehmen sich nicht aus, und stellen eigene Erfahrungen aus der Arbeit (gute und schlechte) zur Verfügung.
